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Mars

Neues vom Wasser auf dem Mars

Meldung vom 10.03.2008 - Astronomen entdecken alten See auf dem roten Planeten

Im Holden-Krater auf dem Mars befand sich wahrscheinlich einmal ein See, haben amerikanische Astronomen herausgefunden. Sie schließen das aus Aufnahmen der Raumsonde Mars Reconnaissance Orbiter, die an den Rändern des Kraters feine Sedimente zeigen. Solche Partikel setzen sich typischerweise am Grund von Seen ab, wenn diese langlebig und relativ ruhig sind, berichten John Grant vom Smithsonian-Museum für Luft und Raum in Washington und seine Kollegen. Die Forscher konnten auf den Bildern zusätzlich eine Gesteinsart ausmachen, die nur nach kraftvollen Einschlägen entsteht. Dies zeige, dass der Holden-Krater innerhalb des Holden-Bassins tatsächlich durch den Aufprall eines großen Objekts entstanden sei.

Das Holden-Bassin ist eine sehr alte Formation, die sich vor langer Zeit gebildet hat. Ebenfalls durch einen Meteoriteneinschlag hervorgerufen, durchzogen das Bassin vor Entstehung des Holden-Kraters große Kanäle, die Wasser führten und Sedimente in der Formation ablagerten. Dieser erste See blieb wohl über mehrere tausend Jahre bestehen, bis ein zweiter Einschlag den kleineren Krater bildete. Bei dem Einschlag wurden Gesteinsblöcke von bis zu 50 Metern Größe in die Luft geschleudert, die chaotisch wieder zu Boden fielen und zum Teil mit den feineren Seesedimenten verbackten. Auf diese Weise bildeten sich die sogenannten Megabrekzien, die der Mars-Orbiter nun fotografierte.

Mit Hilfe des High Resolution Imaging Science Experiment (HiRISE) an Bord der Raumsonde konnten die Wissenschaftlern um Grant aber noch mehr erkennen: Auf den Brekzien befand sich wiederum eine Schicht von Sedimenten, die Messungen mit dem Compact Reconnaissance Imaging Spectrometer (CRISM) zufolge mindestens zu fünf Prozent aus Ton besteht.

"Der Ursprung dieser Tone ist ungewiss, stammen sie aber aus unserem hypothetischen See, zeigen sie ruhige und lebensfreundliche Bedingungen an", berichtet Grant. Doch auch die Tone sind nicht die letzte Schicht im Holden-Krater: An oberster Position liegt eine mit Gesteinsbrocken gespickte Schuttschicht, die typischerweise von reißenden Flüssen abgelagert wird. Die Forscher um Grant glauben, dass eine riesige Flutwelle aus dem Holden-Bassin über die Wände des Holden-Kraters hinabstürzte, die alten Seesedimente und Gesteinsbrocken von bis zu 80 Metern Größe fortriss und nur den Schutt zurückließ. "Das dazu nötige Wasservolumen muss spektakulär gewesen sein", meint Grant. Er schätzt, dass dafür etwa 4.000 Kubikkilometer Wasser nötig waren, was dem 80-fachen der Wassermenge des Bodensees entspricht. Länger als einige hundert Jahre hätte dieser See aber nicht bestanden, so Grant.

Der Holden-Krater ist eine der sechs möglichen Landestellen, die die Nasa für ihr Mars Science Laboratory in Betracht zieht. Die Mission soll nächstes Jahr starten.

John Grant (Smithsonian-Museum, Washington) et al.: Geology, Band 36, S. 195

wissenschaft.de – Livia Rasche

Der Asteroid ist weg – Gesteinsbrocken bleiben

Meldung vom 29.01.2008 - Der Asteroid 2007 TU24 ist planmäßig an der Erde vorbeigerast. In den nächsten Tagen können wir noch ein paar Gesteinsbrocken nachwinken. Der Asteroid an sich wird nun von Radarteleskopen genauer untersucht. Nicht ohne Grund: Da oben sind noch 5085 dieser Dinger unterwegs.

Der Asteroid 2007 TU24 hat sich wie berechnet der Erde genähert und ist in knapp anderthalbfacher Mondentfernung an unserem Planeten vorbeigerast. Der Gesteinsbrocken werde noch einige Tage zu beobachten sein, erläuterte Asteroidenforscher Gerhard Hahn vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Mit Radarteleskopen werde der Himmelskörper nun genauer untersucht. „Man möchte wissen, wie groß er genau ist und ob er sich dreht. Außerdem: Welche Form hat er, und gibt es Krater auf seiner Oberfläche?“, erläuterte Hahn. Ergebnisse lägen bislang noch nicht vor.

Ziel der Beobachtungen ist, derartige erdnahe Objekte unseres Sonnensystems besser kennenzulernen. Solches Wissen ist unter anderem wichtig, um die Folgen eines möglichen Einschlags auf der Erde besser einschätzen zu können. Für den Asteroiden 2007 TU24 schließen Astronomen der US-Raumfahrtbehörde Nasa zwar ein Einschlagrisiko für die nächsten 2000 Jahre aus. Es werden jedoch fortlaufend neue Objekte unterschiedlicher Größe entdeckt, die sich in der Nähe der Erdbahn bewegen.

Das Nasa-Programm für erdnahe Objekte führt derzeit 5086 Asteroiden, die der Erde nahe kommen. Für keinen ist derzeit ein Einschlagrisiko bekannt. Viele erdnahe Objekte werden jedoch erst kurz vor – oder sogar nach – einer Annäherung an die Erde gesichtet, so dass ein Einschlag nicht generell ausgeschlossen ist.

Am Mittwoch wird der Asteroid 2007 WD5 sehr nahe an unserem Nachbarplaneten Mars vorbeifliegen. Nach NASA-Berechnungen soll er sich dem Roten Planeten bis auf etwa 26000 Kilometer nähern – das ist rund 20 Mal dichter als 2007 TU24 der Erde kam. Die Wahrscheinlichkeit für einen Einschlag auf dem Mars liegt nach Nasa- Angaben jedoch nur bei 1 zu 10000.

Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite des Nasa-Programms für erdnahe Objekte.

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Wolken über dem Mars

Meldung vom 18.01.2008 - Raumsonde entdeckt Kohlendioxidkristalle in den oberen Atmosphärenschichten

In den hohen Atmosphärenschichten des Mars bilden sich ausgedehnte Eiswolken aus gefrorenem Kohlendioxid. Sie befinden sich in 80 Kilometern Höhe und werfen ihre langen Schatten auf die Oberfläche des Planeten. Französische Forscher um Franck Montmessin von der Universität in Versailles haben Eiswolken und Schattenwürfe mit der Raumsonde Mars Express der europäischen Weltraumagentur ESA entdeckt. Die Eiswolken treten nur vereinzelt auf. Die Forscher vermuten jedoch, dass in der Vergangenheit der gesamte Planet von einer Hülle aus Eiswolken umgeben war.

Die Forscher beobachteten den Mars mit einem für sichtbares und infrarotes Licht empfindlichen Instrument der Raumsonde. Bei bestimmten Wellenlängen des Lichts konnten sie unterscheiden, welche Signale von der Oberfläche, von den Wolken oder von Atmosphärengasen stammten. Es zeichneten sich bei einer Wellenlänge von 0,5 Mikrometern deutliche Schatten auf der Marsoberfläche ab. Auf Aufnahmen bei 4,26 Mikrometern Wellenlänge sind die Wolken zu sehen. Eine genauere Analyse der Daten ergab, dass sich die Wolken aus gefrorenem Kohlendioxid rund 80 Kilometer über Grund befinden. Sie tauchen nur sehr vereinzelt in Gebieten um den Äquator des Mars auf, erstrecken sich dafür aber bis zu 200 Kilometer weit.

Die Kristalle in den Kohlendioxid-Eiswolken haben Durchmesser von bis zu einem Mikrometer. Für eine Höhe von 80 Kilometern ist das unterwartet groß, erklärten die Forscher. Die Kristalle müssten eigentlich wegen der Schwerkraft des Mars nach unten sinken. Die Forscher vermuten jedoch, dass tagsüber die kohlendioxidreiche Luft über der warmen Oberfläche aufsteigt. In großen Höhen sublimiert das Kohlendioxid, was zusätzliche Wärme freisetzt. Dies gibt einen weiteren Schub in noch größere Höhen. Über diesen thermischen Transportmechanismus könnten die Wolken entstehen. Da der Mars vor einigen Milliarden Jahren noch sehr viel wärmer gewesen sein muss, wäre es sogar denkbar, dass er sich zu jener Zeit hinter einer geschlossenen Wolkendecke aus gefrorenem Kohlendioxid versteckt hat.

Mitteilung der ESA

wissenschaft.de – Martin Schäfer


50 Meter großer Asteroid rast auf Mars zu

Meldung vom 28.12.2007 - Noch 33 Tagen - dann könnte es richtig krachen auf dem Mars: Die Chance, dass ein rund 50 Meter große Himmelskörper mit dem kühlen Namen "2007WD5" auf dem Roten Planeten einschlägt, steht bei eins zu 75. Bei einem Treffer sehen wir die Staubwolke sogar von der Erde.

US-Forscher fiebern dem möglichen Einschlag eines großen Asteroiden auf dem Mars entgegen. Normalerweise liegt die Wahrscheinlichkeiten eines Einschlages in der Größenordnung eins zu einer Million. Doch die Chancen, dass der rund 50 Meter große Himmelskörper mit dem kühlen Namen „2007WD5“ am 30. Januar auf den Roten Planeten treffe, stünden Experten zufolge etwa eins zu 75.

„Das ist total ungewöhnlich“, sagt Astronom Steve Chesley vom Nasa-Projekt für Erdnahe Objekte („Neo“). Forscher des Projekts, die rund 5000 Objekte in der kosmischen Nachbarschaft der Erde im Blick haben, verfolgen die Bahn des Asteroiden seit November. „Schon bei einer Chance von eins zu hundert sitzen wir aufrecht auf unseren Stühlen“, so Chesley.

Der Brocken „2007WD5“ ähnelte in seinen Ausmaßen jenem Asteroiden, der 1908 über Sibirien explodierte und dabei auf einer Fläche von knapp 2200 Quadratkilometern insgesamt 80 Millionen Bäume fällte. Da die Atmosphäre des Mars' aber sehr dünn sei, rechnen Forscher nicht wie bei dem Fall vor hundert Jahren damit, dass der Asteroid auseinander bricht, sondern einen knapp einen Kilometer breiten Krater in den Roten Planten reißt.

Je nachdem, wo „2007WD5“ letzten Endes aufschlage, könnte die Staubwolke dann sogar von der Erde aus zu beobachten sein, sagte Chesley. Hören werden wir wohl nichts.

Zur Originalnachricht auf welt.de



Ein Schwefelhauch auf dem Mars

Meldung vom 21.12.2007 - Forscher: Schwefeldioxid wirkte in der Jugend des roten Planeten als Treibhausgas

Das Gas Schwefeldioxid (SO2) spielte eine Schlüsselrolle für das Klima auf dem Mars vor vier Milliarden Jahren: Als starkes Treibhausgas in der Atmosphäre des Planeten stabilisierte es die Temperaturen. Damit wurde das Klima anders als auf der Erde, wo Kohlendioxid mit das Wettergeschehen steuert, durch einen aktiven Schwefelkreislauf aufrechterhalten.

Wissenschaftler rätseln seit langem, wie das Klima auf dem Mars vor etwa vier Milliarden Jahren so viel wärmer sein konnte als heute, obwohl es keine Hinweise auf einen aktiven Kohlenstoffkreislauf gibt. Eine solche Steuerung hätte es mit den klimatischen und geochemischen Bedingungen auf dem Mars theoretisch geben können: Es gibt sowohl Hinweise für flüssiges Wasser an der Oberfläche des Planeten als auch für eine mit Kohlendioxid angereicherte Atmosphäre. Auf dem Mars setzten zu dieser Zeit Vulkane einer riesigen Vulkanregion namens Tharsis große Mengen Kohlendioxid frei. Ein solcher Kohlenstoffzyklus auf dem Mars hätte zu den gegebenen Temperaturen große Mengen von Kalkstein produzieren müssen – ein Gestein, von dem Forscher auf dem Planeten jedoch nur geringe Mengen fanden.

Stattdessen entdeckten Wissenschaftler auf dem Mars große Mengen schwefelhaltiges Gestein. Der tatsächliche Grund des warmen Klimas auf dem Mars könnte daher ein Kreislauf auf der Basis von Schwefeldioxid gewesen sein, vermuten die Forscher. Schwefeldioxid wird ebenfalls bei Vulkanausbrüchen freigesetzt und ist zudem ein starkes Treibhausgas. Auf der Erde wird Schwefeldioxid vergleichsweise schnell zu Sulfat oxidiert und so der Atmosphäre entzogen. Dagegen war der Sauerstoffgehalt auf dem frühen Mars viel geringer, so dass die Lebensdauer des Schwefeldioxids sehr viel höher war, argumentieren die Autoren.

Schwefeldioxid löst sich gut in Wasser und senkt durch die Bildung von Schwefliger Säure den pH-Wert. Unter solchen sauren Bedingungen werden nicht Kalkstein, sondern schwefelhaltige Mineralien abgelagert – auch, wenn das Schwefeldioxid nur in geringen Mengen vorkommt. So erklären die Forscher um Halevy die Funde von schwefelhaltigen Gesteinen und das Fehlen von Kalkstein.

Stimmt die Hypothese, lassen sich auch Rückschlüsse auf die Zusammensetzung der frühen Erdatmosphäre ziehen. So erklärt Daniel Schrag, einer der beteiligten Wissenschaftler: "Bevor es Leben auf der Erde gab, war unsere Atmosphäre der des Mars wahrscheinlich relativ ähnlich. Schwefeldioxid mag eine ebenfalls wichtige Rolle gespielt haben."

Itay Halevy (Harvard-Universität, Cambridge) et al.: Science, Band 318, S. 1903

wissenschaft.de – Christina Taraschewski

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